TPS bei ME/CFS und Long Covid – Leila Jasim teilt ihre Erfahrung mit der transkraniellen Pulsstimulation
Erfahrungsbericht | 9. April 2026 | 8 Min. Lesezeit | Von Leila Jasim

TPS bei ME/CFS und Long Covid: Meine Erfahrung mit der transkraniellen Pulsstimulation

Ich habe sehr vieles bereits für mich erreicht, durch mein Verständnis meiner Baseline und dem Reiz-Erholungs-Prinzip, doch meine kognitiven Einschränkungen wurden nicht wirklich besser.

Ich hatte nur auf 30 % Zugriff und bekam sehr schnell Brain Fog. Das ist auch gut, denn es ist mein Frühwarnsystem geworden und so kann ich einen Crash verhindern. Doch ohne Belastung sollte ich denken, reden, Reize verarbeiten und mich erinnern können. Das habe ich mir gewünscht.

Ich war im Dezember bei Prof. Dr. Citak in Hamburg, weil ich sehr starke Schmerzen in den Knien hatte. Mein Bruder hatte den Termin für mich gemacht, ich hätte das selbst nicht organisiert bekommen. Eigentlich sollte es nur um meine Knie gehen, doch während ich erzählte, dass ich viele Jahre bettgebunden war und mein Körper physische Belastung gar nicht mehr gewohnt ist, kam fast nebenbei der Punkt: Long Covid, ME/CFS.

Und genau in diesem Moment erfuhr ich, dass Prof. Citak seit 2021 Menschen mit Neurocovid mit der TPS, der transkraniellen Pulsstimulation, behandelt. Ich hatte vorher noch nie davon gehört. Ich wusste nicht einmal, dass es überhaupt eine Therapie gibt, die sich gezielt auf die neurologischen Symptome unserer Erkrankung konzentriert.

Ich habe sofort ein Reel auf Instagram geteilt, und von 250.000 Aufrufen haben mir nur 2 geschrieben, dass sie diese Therapie selbst bereits gemacht haben. Im Zuge einer Studie in Österreich.

Ich hatte das Gefühl, etwas wirklich Gutes und für viele Neues entdeckt zu haben. Trotz der hohen Kosten habe ich mich für den Versuch entschieden. Zum einen, weil ich Prof. Citak sofort vertraut habe, zum anderen, weil ich wusste: Es ist eine Investition. Wenn ich wieder klarer denken und analytischer und effektiver arbeiten kann und mich das nicht mehr so belastet, ist mir diese Behandlung den Preis wert.

Was TPS eigentlich ist

TPS steht für transkranielle Pulsstimulation. Gezielte Ultraschallimpulse werden von außen auf bestimmte Bereiche des Gehirns gerichtet, um biologische Signalprozesse im Gewebe zu aktivieren: Durchblutung wird gefördert, Gefäße werden erweitert, Stammzellen aktiviert. Es ist ein regenerativer Therapieansatz. Dem Körper wird ein Impuls gegeben, in seine Selbstheilung zu gehen.

Ursprünglich kommt das Verfahren aus der Nierensteinbehandlung, später wurde es bei Demenzerkrankungen eingesetzt. Zum Einsatz bei Long Covid und ME/CFS habe ich im Vorfeld fast keine Informationen gefunden. Deswegen schreibe ich hier auch so ausführlich, um genau diese Aufklärungslücke zu schließen.

Warum ich TPS überhaupt ausprobiert habe

Ehrlich gesagt, weil ich Prof. Dr. Citak tief vertraut habe. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die medizinisch-wissenschaftlich an eine neue Therapie oder Entscheidung herangehen. Ich bin ein sehr intuitiver Mensch. Als er mir von der TPS erzählt hat, habe ich nicht zuerst recherchiert, sondern mich gefragt: Vertraue ich diesem Menschen? Nimmt er mich und meine Erkrankung ernst? Erklärt er mir genau, was mich erwartet? Die Antwort war ein klares Ja.

Meine Ausgangssymptome waren massiv: starker Brain Fog, Wortfindungsschwierigkeiten, eine große Konzentrationsschwäche und die Unfähigkeit, mich selbst in Zeit und Raum zu orientieren. Ich hatte weder ein Langzeit- noch ein Kurzzeitgedächtnis. Ich konnte mich oft nicht erinnern, ob ich schon gegessen oder getrunken hatte, ob ich mir die Zähne geputzt hatte, wo ich gestern war, mit wem ich überhaupt gesprochen hatte. Ich habe mich durch meinen Alltag geschummelt mit vielen Weckern, vielen Notizen und mit meiner Mutter als externem Gehirn. Nach außen war das oft gar nicht so sichtbar, wie eingeschränkt ich kognitiv wirklich war.

Je mehr meine physische Baseline sich erweitern durfte, desto wichtiger wurde meine kognitive Kapazität wieder für mich. Ich wollte sie zurück.

Meine Erfahrung

Ich habe 6 Sitzungen gemacht: 3 Tage am Stück — Montag, Dienstag, Mittwoch — dann eine Woche Pause und dann noch einmal 3 Tage. Eine Sitzung kostet bei Prof. Citak 330 €, es ist eine private Selbstzahler-Leistung (nur bei privater Versicherung übernimmt die Kasse das). Bei mir waren es insgesamt rund 2.000 €.

Ich weiß, wie groß dieses Thema ist. Wie sich das anfühlt, wenn Therapien nur für wenige zugänglich sind. Ich gehöre nicht zu den privilegiertesten Menschen. Ich habe lange gespart, auch, weil ich durch die Jahre der Erkrankung kaum etwas ausgeben konnte und habe für mich immer in Relation gesetzt, wie viel Geld ich über die Jahre in Supplements und Versuche investiert habe, die nicht geholfen haben. In dieser Relation war die Summe für mich machbar.

Die Behandlung selbst ist im Sitzen: Ich habe eine Brille mit vier Sensoren aufgesetzt bekommen, damit das Gerät immer genau weiß, wo am Kopf schon gearbeitet wurde. Dann kommt viel Ultraschallgel auf den Kopf, und die Impulse werden in 30 Minuten gesetzt. Das Einzige, was ich wirklich wahrgenommen habe, war ein Klacken. Während der Behandlung war ich in einem Zustand tiefer Entspannung, also kein gemessener Stress. Die TPS selbst war für mich zu keinem Zeitpunkt anstrengend.

Doch um diese Behandlung zu machen, kommen ja noch andere Belastungen hinzu: der Weg zur Praxis, das Gespräch mit dem Arzt, 30 Minuten sitzen, danach die Haare waschen (wegen des Gels) und der Rückweg. Das muss in die Baseline passen.

💬 Aus meiner Erfahrung

An Tag 3 habe ich gemerkt: mein Kopf war leichter. Ich habe Worte wieder verwendet, die ich seit Jahren nicht mehr genutzt hatte, Worte, von denen ich wusste, dass sie in mir existieren, die aber wie eine Fremdsprache geworden waren. Ich stelle mir mein Vokabular wie einen großen Raum voller Schubladen vor. Jahrelang habe ich nicht einmal gewusst, wo dieser Raum ist. An Tag 3 habe ich die Tür wiedergefunden.

Noch ein Moment, den ich nie vergessen werde: Mein Bruder hat mich morgens gebeten, fünf Sachen zu organisieren. Ich habe mir aus alter Gewohnheit eine Liste gemacht und dann konnte ich mich ohne Wecker an seine Bitte erinnern, wusste, dass ich eine Liste geschrieben hatte, wusste, was darauf stand, und musste gar nicht draufschauen. Das war absolut überwältigend für mich. Ein großer Schritt Richtung Selbständigkeit.

Was sich außerdem verändert hat: Mein Schlaf wurde tiefer, meine Tiefschlafphase hat sich direkt verlängert. Ich hatte zum ersten Mal seit Monaten 7 Tage am Stück „grüne Erholung" auf meinem Tracker. Ob das durch die Verbesserung der Fatigue oder durch die IHHT kam, kann ich heute nicht mehr genau zuordnen.

Und Brain Fog ist bei mir nie nur ein „Nebel", sondern ein physischer Schmerz. Das Gefühl, mein Kopf wiege 100 kg, sei von außen betonhart und innen eine wabernde Masse, ist deutlich leichter geworden. Ich habe wieder Leichtigkeit in meinem Kopf.

Vielleicht das Wertvollste für mich: eine neue Sicherheit in mir selbst. Auch wenn eine Situation anders läuft, als ich sie geplant hatte, weiß ich jetzt, dass ich die kognitive Kapazität habe, trotzdem Entscheidungen für mich zu treffen. Diese große Angst vor der absoluten Überforderung, die mich jahrelang begleitet hat, ist leiser geworden.

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Was TPS für mich bedeutet — und was nicht

TPS war für mich ein Puzzleteil, das zur richtigen Zeit eingebaut wurde. Es ist kein Zauber und kein Ersatz für all das, was ich in den Jahren davor gelernt, gelebt und integriert habe. Ohne Pacing, ohne meine stabile Baseline, ohne mein Wissen über meinen eigenen Körper hätte ich diese Behandlung nicht durchgehalten und vermutlich auch nicht so gut darauf angesprungen.

Worauf ich bei TPS schauen würde

Die Behandlung selbst ist nicht anstrengend, die Belastung liegt woanders: im Weg zur Praxis, im Gespräch, in den 30 Minuten Sitzen, im Haarewaschen danach und im Rückweg. Das muss sich innerhalb deiner Baseline abbilden lassen. Wenn das gerade nicht passt, dann ist es noch nicht der richtige Moment für dich.

💡 Reminder

Ganz ehrlich: Als ich so lange im Bett lag, war mir meine kognitive Fähigkeit nicht wirklich wichtig. Ich war sogar dankbar für das Vergessen und den dissoziativen Zustand, denn er war eine Schutzfunktion meines Körpers. Erst als meine physische Baseline sich stabilisiert und erweitert hatte, wurde mir das Kognitive wieder wichtig. Es gibt für alles einen passenden Moment, und wir dürfen uns in Vertrauen manchmal auch einfach ein bisschen treiben lassen.

Ich habe auf YouTube ein ausführliches Video zur TPS geteilt, in dem ich den Ablauf vor Ort und meine Eindrücke nach Tag 3 und nach 14 Tagen dokumentiere: YouTube-Video zur TPS

Außerdem findest du mehr in meinen Reels und Shorts, die ich während der Behandlung aufgenommen habe.

Mein Interview mit Prof. Dr. Citak findest du in der Podcastfolge #68 auf Tidal Faces, und wie es mir im Prozess dieser Therapien insgesamt ergangen ist, hörst du in der Folge #69 Veränderung braucht Zeit.

Gesundheitszentrum Citak (Hamburg und Bochum): https://citak.de/long-covid-zentrum

Ich freue mich, wenn dieser Text eine Unterstützung ist — auf deinem Weg, bei deinen Entscheidungen.

Viele liebe Grüße,
Leila

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Leila Jasim

Autorin & ME/CFS-Betroffene

Leila lebt seit mehreren Jahren mit ME/CFS und teilt ihr Wissen über Pacing, Nervensystem-Regulierung und den Alltag mit chronischer Erkrankung. Sie ist Autorin von „Mehr als Überleben" und „Positive Pacing".

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