Leben mit ME/CFS: warum Überleben erst der Anfang ist
LEBEN MIT ME/CFS | 7. April 2026 | 3 Min. Lesezeit | Von Leila Jasim

Leben mit ME/CFS: warum Überleben erst der Anfang ist

Wenn du das hier liest, weißt du wahrscheinlich, was es heißt, um jeden einzelnen Tag zu kämpfen. Mit dem eigenen Körper zu verhandeln. Eine Tasse Tee zu kochen als Sieg zu feiern. Mit ME/CFS oder Long Covid zu leben bedeutet, neu zu definieren, was Funktionieren überhaupt heißt, und das ist eines der schwersten Dinge, die ein Mensch tun kann.

Etwas glaube ich nach Jahren mit ME/CFS zutiefst: Überleben ist nicht der Endpunkt. Es ist der Anfangspunkt.

Das unsichtbare Gewicht einer chronischen Erkrankung

ME/CFS und Long Covid sind nicht nur körperliche Erkrankungen. Sie berühren jede Dimension des Lebens: Beziehungen, Identität, Pläne, Träume. Der Mensch, der du vor der Erkrankung warst, fühlt sich oft fremd an. Und ein medizinisches System, das diese Erkrankungen noch immer kaum versteht, kann dir das Gefühl geben, unsichtbar zu sein.

📌 Kurz gesagt

Du bist nicht unsichtbar. Deine Erfahrung ist real, sie ist gültig, und sie verdient es, verstanden zu werden. Nicht nur von Ärztinnen und Ärzten, sondern von den Menschen um dich herum und von dir selbst.

Was „mehr als Überleben“ wirklich bedeutet

Mehr als Überleben heißt nicht, wieder der Mensch zu werden, der du vorher warst. Es heißt nicht, sich durch die Erkrankung zu drücken oder die eigenen Grenzen zu ignorieren. Es heißt, ein Leben zu finden, das deines ist, innerhalb deiner tatsächlichen, heutigen Kapazität. Das kann so aussehen:

  • Eine Pacing-Strategie finden, die zu deinem Leben passt
  • Selbstwirksamkeit zurückgewinnen, Stück für Stück
  • Entdecken, was auch an schweren Tagen Bedeutung hat
  • Sich in der eigenen Erfahrung weniger allein fühlen
  • Dein Nervensystem verstehen und lernen, mit ihm zu arbeiten statt gegen es

Pacing: das wichtigste Werkzeug, das viele noch nicht wirklich nutzen

Energiemanagement, also Pacing, wird bei ME/CFS und Long Covid überall empfohlen. Die meisten Quellen erklären das Konzept aber, ohne zu zeigen, wie es im Alltag wirklich geht, mit einem dysregulierten Nervensystem, schwankenden Symptomen und dem sehr realen Druck, funktionieren zu müssen.

  • Deine Baseline verstehen, deinen individuellen Energierahmen
  • Alle drei Dimensionen der Belastung erfassen: körperlich, kognitiv und emotional
  • Frühe Warnzeichen erkennen, bevor ein Crash kommt
  • Aktive Erholung einbauen, nicht nur passives Liegen, sondern Regulation des Nervensystems
  • Immer wieder nachjustieren, weil sich die Baseline verschiebt

Für dich geschrieben, von jemandem, der es kennt

Mehr als Überleben ist für Menschen mit ME/CFS, Long Covid und Post-Vac geschrieben, und für die Menschen, die sie begleiten. Es verbindet meine eigene Erfahrung als schwer betroffene Person mit wissenschaftlich fundiertem Wissen und praktischen Werkzeugen.

Weil ich glaube: die richtige Information, zur richtigen Zeit, im richtigen Ton, kann alles verändern.

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Leila Jasim

Autorin & ME/CFS-Betroffene

Leila lebt seit mehreren Jahren mit ME/CFS und teilt ihr Wissen über Pacing, Nervensystem-Regulierung und den Alltag mit chronischer Erkrankung. Sie ist Autorin von „Mehr als Überleben" und „Positive Pacing".

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